Unsere Glocken im Marienmünster

Das Marienmünster in Dießen und sein imposantes Glockengeläut

Die ehemalige Stifts- und Klosterkirche ist seit der Säkularisation Pfarrkirche und seit ihrer Gründung der Himmelfahrt der Gottesmutter geweiht.
1985/86 wurde der Turm nach historischen Vorlagen des Baumeisters Johann Michael Fischer rekonstruiert und in Schalbetonweise vollkommen neu errichtet, nachdem der erste Turm bereits 1827 bei einem Schwelbrand zerstört worden war. 1842 baute man zwar einen Turm mit Spitzhaube, der aber nicht zum Gesamtensemble des Münsters passte und deshalb einem Neubau weichen musste. Mit dem stabilen, tragfähigeren neuen Turm war es dann auch möglich, neben den vier historischen Glocken (Augustinus-Glocke, Maria-Glocke, Mechtildis-Glocke, Toten-Glocke), vier weitere neugegossene Glocken (Dreifaltigkeits-Glocke, Richard-Glocke, Elisabeth-Glocke, Katharina-Glocke) hinzuzufügen.

Glockenstuhl mit allen 8 Glocken

(von links oben bis rechts unten)
Elisabethglocke, Totenglocke, Mechtildisglocke, Katharinaglocke, Mariaglocke,
Augustinusglocke, Richardglocke und Dreifaltigkeitsglocke (nicht sichtbar)

Heiligste Dreifaltigkeit (Guss: Perner 1987) 5130 kg, Ton g°-4

Heiliger Augustinus (Guss Czudnochowsky 1950) 1950 kg, Ton c‘-5

Heiliger Richard (Guss: Perner 1987) 3540 kg, Ton b°-1

Stundenschlag, Ölbergläuten (Do. 18:00 Uhr), Todesstunde Christi-Läuten (Fr. 15:00 Uhr)

Heilige Maria (Guss: Czudnochowsky 1950) 1064 kg, Ton es‘

Gebetläuten um 06:30 Uhr und Mittagsläuten um 12:00 Uhr
Angelusläuten 2 Min. (zw. 17:00 und 20:00 Uhr)

Heilige Mechthild (Guss: Czudnochowsky 1950) 512 kg, Ton g‘-2

Wetterläuten, besonders bei drohendem Hagel und Gewitter

Heilige Elisabeth (Guss: Perner 1987) 995 kg, Ton f‘-4

Viertelstundenschlag

Heilige Katharina (Guss: Perner 1987) 1880 kg, Ton d‘-3

Totenglocke (älteste historische Glocke) 494 kg, Ton b‘-1

Angelusläuten 1 Min. (zw. 17:00 und 20:00 Uhr je nach Jahreszeit)

Im Turm des Marienmünsters hängen seit 1987 acht Glocken in einem Stahl-Glockenstuhl, sieben davon im oberen Geschoß mit dem großen Schallfenster, die große Glocke 1 im Geschoß darunter.

8          b´-1      Totenglocke                494 kg

7          g´-2      Mechtild                       512 kg             1950                Czudnochowsky

6          f´-4       Elisabeth                      995 kg             1987                Perner

5          es´       Maria                         1.064 kg            1950                Czudnochowsky

4          d´-3      Katharina                   1.880 kg           1987                Perner

3          c´-5      Augustinus                 1.950 kg           1950                Czudnochowsky

2          B°-1     Richard                         3.540 kg          1987                Perner

1          G°-4     Dreifaltigkeit                5.130 kg          1987                Perner

 

Angabe der Nominaltöne: b = b´ / B = B0

Das erste Geläut nach dem Zweiten Weltkrieg kam im Jahr 1950 aus der Erdinger Glockengießerei Czudnochowsky: drei Glocken in Euphon-Guss ergänzten die kleine Glocke, die im Zweiten Weltkrieg im Turm verblieben war. Dieses „alte“ Geläut hat eine Es-Dur-Charakteristik, die mit der tieferen c-Glocke im Intervall der kleinen Terz unterbaut wird.

Im Jahr 1987 nach dem Neubau des rekonstruierten „Fischer“-Turms wurde das bisherige Geläut durch vier Bronze-Glocken aus der Gießerei Perner in Passau erweitert. Dieses neue Ensemble weist eine B-Dur-Charakteristik auf, basierend auf der Dur-Glocke 2 in B und unterbaut mit der Glocke 1 in G.

Die ersten Glocken im Abendland erklangen in den frühen Klöstern ab dem 4. Jahrhundert. Sie haben die Aufgabe, den Mönchen und Nonnen
die Zeit für das gemeinsame Gebet anzugeben – “signum dare“. So strukurieren sie den Tagesablauf zwischen Gebet und Arbeit und Ruhe.
Diese Funktion haben sie auch außerhalb der Klöster bis heute bewahrt.

Daraus entstand zum einen die Angabe der Uhrzeit durch den Glockenschlag der Viertelstunden und der vollen Stunden.
Beim Marienmünster Dießen gibt die Glocke 6 in f die Viertelstunde und die Glocke 2 in B die volle Stunde an.

Dreimal am Tag laden die Glocken mit ihrem Läuten zum Gebet ein – das Angelus- oder Gebet-Läuten. Am Morgen um 6.30 Uhr sowie am Mittag
um 12:00 Uhr läutet die Glocke 5 mit dem Ton es, die Marienglocke. Auch am Abend, wechselnd je nach Jahreszeit zwischen 17:00 und 21:00 Uhr, verabschiedet die Glocke 5 den Tag, gefolgt von der kleinsten Glocke 8 in b, die als Totenglocke zum Gebet für die Verstorbenen ruft.

Jeden Donnerstag um 18:00 Uhr erklingt die Glocke 2 in B und erinnert mit dem „Angstläuten“ an die Todesangst Jesu am Ölberg.
Wiederum die Glocke 2 läutet auch jeden Freitag um 15:00 Uhr zur Todesstunde Jesu.

Die Glocken-Motive der Läute-Ordnung sind jeden Samstag / Vortag um 17:00 Uhr zum Einläuten des Sonntags / Feiertags zu hören.
An Sonn- und Feiertagen läuten die Glocken etwa 10 Minuten vorher den Gottesdienst um 10:00 Uhr im Marienmünster ein.

Das achtstimmige Ensemble ermöglicht eine Vielzahl von Kombinationen und Motiven, die oft nach den Anfängen gregorianischer Choral-Gesänge benannt sind. Häufig verwendet wird die Intonation des „Te Deum“ und des „Gloria“ mit drei Glocken und mit vier Glocken die Marienantiphon
„Salve Regina“ oder das Lied „Wachet auf“ – Motive, die durch weitere Glocken noch gefüllt oder erweitert werden können. Diese Motive bieten einen guten Rahmen, aus der Fülle aller denkbaren Glocken-Kombinationen gezielt auszuwählen und diejenigen Glocken miteinander läuten zu lassen, die gemeinsam ein ansprechendes Klangbild ergeben.

Die Läute-Ordnung des Marienmünsters strebt nicht eine möglichst große Anzahl von Kombinationen an, sondern möchte durch unterschiedliche und klar unterscheidbare Motive die Gemeinde durch das Kirchenjahr mit seinen Zeiten und Anlässen begleiten. Wie die Szenen-Bilder des Dießener Bühnenaltars die Themen des Kirchenjahres anschaulich vor Augen stellen, so sollen die unterschiedlichen „Klang-Bilder“ der Glocken die Zeiten und Anlässe im Kirchenjahr zu Gehör bringen und so mit allen Sinnen erleben lassen.

Bei örtlichen Anlässen wie etwa Schulgottesdiensten, Vereinsfeiern oder Erntedank ist an Werktagen das „alte“ Geläut b-g-es-c zu hören,
an Sonntagen kommt die Dur-Glocke in B zu einem festlichen „Gloria-Motiv“ hinzu – eine Abwechslung zum Geläut der „normalen“ Sonntage.
Diese Motive künden auch die Marien- und Heiligenfeste an. Bei den Erstkommunion-Feiern sowie am Fest der seligen Mechtildis,
der „Brotmutter vom Ammersee“, gibt die große Glocke in G den feierlichen Grundton hinzu.

Für die Zeit im Jahreskreis, die von der liturgischen Farbe Grün gekennzeichnet ist, sind an Werktagen die drei kleineren Glocken b-g-f mit dem „Gloria-Motiv“ vorgesehen. An den Sonntagen erklingt mit den Tönen b-g-f-d-B das „Salve-Regina-Motiv“, das auf der B-Dur-Glocke 2 aufbaut und
um den oberen Oktavton erweitert wird. So stimmen die Glocken mit den Anfangstönen der marianischen Antiphon „Salve Regina“ (Gotteslob 666/4) das Jahr über den Lobpreis auf die Patronin des Marienmünsters an.

Im Advent bestimmt das Intervall der Quart, das in der Musik für Sehnsucht und Erwartung steht, das Klangbild: am Werktag mit den Glocken b-f,
am Sonntag mit b-f-es-B, zwei Quarten innerhalb einer Oktave, die den Anfang des adventlichen Liedes „Maria durch ein Dornwald ging“
(Gotteslob 224) anklingen lassen.

In der Weihnachtszeit erklingt an den Sonn- und Feiertagen mit den Glocken b-g-f-d-c-B ein volltönendes Geläut auf der Grundform des
„Salve-Regina-Motivs“ (Gotteslob 666/4), das an den „normalen“ Sonntagen im Jahreskreis ertönt. An den Hochfesten Weihnachten und
Erscheinung des Herrn wird dieser Klang mit dem tiefen G der großen Dreifaltigkeitsglocke unterbaut. An den Werktagen läuten die vier kleineren Glocken b-g-f-d ein Motiv, das nach dem „Glockenmotiv“ aus der Oper „Parsifal“ von Richard Wagner als „Parsifal-Motiv“ bezeichnet wird, oft auch „Ideal-Quartett“ genannt. Zum Gottesdienst am Jahresschluss laden die drei großen Glocken mit dem „Te-Deum-Motiv“ (Gotteslob 379) ein.
Das Geläut aller Glocken begrüßt zu Mitternacht das Neue Jahr.

Die Fastenzeit soll mit einem verhaltenen und in sich gekehrten Klang ohne die kleine helle Glocke und ohne die großen Glocken hörbar erlebt werden. Zwei Glocken g-f im Ganzton-Abstand läuten an den Werktagen. Die Fastensonntage kennzeichnet ein Motiv aus vier mittleren Glocken
in zwei Sekund-Intervallen, das in versteckter Form bereits auf Ostern hinweist: die Töne g-f-d-c intonieren den Anfang des ältesten deutschen Osterliedes „Christ ist erstanden“ (Gotteslob 318). An den „Feiertagen“ der Fastenzeit, Aschermittwoch, Palmsonntag und Gründonnerstag,
verleiht die große Glocke in G diesem Motiv ein besonderes Gewicht.

Die Feier der „Drei österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn“ bildet die Mitte des ganzen Kirchenjahres und
die Mitte des christlichen Glaubens. Das Geläut aller acht Glocken zum Gloria am Gründonnerstag-Abend und in der Osternachtfeier markiert
die Eckpunkte der „Drei österlichen Tage“. Dazwischen am Karfreitag und Karsamstag schweigen die Glocken – „sie fliegen nach Rom“, sagt der Volksmund. Dieser Brauch und seine Deutung bringen zum Ausdruck, dass wir Tod und Auferstehung Jesu in Verbundenheit und Gemeinschaft
mit der ganzen Christenheit weltweit feiern. An diesen Kartagen ersetzen die hölzernen Rätschen den Klang der Glocken.

In der Osterzeit stimmen an den Sonn- und Feiertagen die Glocken mit den Tönen b-g-f-es-c-B ein „Österliches Halleluja“ (Gotteslob 643/1) an.
Mit dem aufwärts strebenden „Klangbild“ dieses Motivs antworten sie dem österlichen Bühnenbild des Hochaltars. An Ostern und Pfingsten unterstreicht die große Glocke in G den Festcharakter. Ein freudiger Dur-Klang ist mit den Tönen b-g-f-es auch am Werktag zu hören.
Das „Österliche Halleluja“ lassen die Glocken noch einmal am Fest der „Aufnahme Mariens in den Himmel“, volkstümlich „Mariä Himmelfahrt“,
zum Patrozinium am 15. August erklingen und verkünden damit die österliche Hoffnung und Verheißung auf ewiges Leben für alle Menschen.

Die weiteren Hochfeste im Kirchenjahr wie Fronleichnam, Kirchweih, Christkönig sowie die Feier der Firmung werden vom großen Festgeläut
der Weihnachtszeit begleitet. Das Dreifaltigkeitsfest am Sonntag nach Pfingsten vereint die vier Perner-Glocken von 1987 zu einem eindrucksvollen Klangerlebnis: der harmonische B-Dur-Dreiklang f-d-B als Klangsymbol für den einen Gott in drei Personen zusammen mit der großen Dreifaltigkeits-Glocke auf G. Das Allerheiligenfest verbindet in seinem Geläut g-d-c-B-G das Gedenken an die Verstorbenen mit der Hoffnung auf ewiges Leben. Trauergottesdienste werden mit dem Moll-Akkord c-es-g eingeläutet, das Totengedenken an Allerseelen durch die tiefere Version
G-B-d.

Gottesdienstliche Feiern an wichtigen Stationen des Lebens finden auch im Geläut ihren Widerklang. Die Feier der Taufe wird von einem festlichen Geläute begleitet, das als „Westminster-Motiv“ bekannt ist, benannt nach dem Uhrschlag vom Turm des Westminster-Palastes in London, mit dem typischen Quart-Intervall B-es. Um die obere Terz erweitert ergibt sich die Tonfolge b-g-f-es-B, die auch die Anfangstöne eines Heiligenliedes wiedergibt: „Für alle Heilgen“ (Gotteslob 548), passend zur Anrufung der heiligen Namenspatrone bei der Taufe. Zur Feier der Trauung erklingt ein Motiv von vier Glocken, nach dem „Glockenmotiv“ aus der Oper „Parsifal“ von Richard Wagner als „Parsifal-Motiv“ bezeichnet. Dieses Motiv wird
auch „Idealquartett“ genannt: b-g-f-d – ein klingender Wunsch für das Gelingen der Ehe.

Die verschiedenen Motive und „Klang-Bilder“ der Marienmünster-Glocken offenbaren den musikalischen Reichtum dieses Geläutes und stimmen mit ihrer Botschaft auf die Zeiten und Anlässe des Kirchenjahres ein. Friedrich Schiller dichtet im berühmten „Lied von der Glocke“:
„Soll eine Stimme sein von oben, / wie der Gestirne helle Schar, / die ihren Schöpfer wandelnd loben / und führen das bekränzte Jahr.“

Der frühere Erfurter Bischof Joachim Wanke sagt: „Wir brauchen Farbe für unsere Augen, wir brauchen Klänge für unsere Ohren, wir brauchen Symbole zum Verstehen, weil nur unsere Sinne die Wege in die Tiefen unseres Menschseins, in die Tiefe unserer Seele zu zeigen vermögen.“
Mit dem Geheimnis ihres Klanges rühren die Glocken an das Innere des Menschen – „Sprache für das Unaussprechliche“ und „Klänge der Unendlichkeit“.

Läute-Ordnung für das Marienmünster Dießen

8          b´-1                  Totenglocke                   494 kg

7          g´-2                  Mechtild                         512 kg          1950                Czudnochowsky

6          f´ -4                  Elisabeth                        995 kg          1987                Perner

5          es´                   Maria                           1.064 kg          1950                Czudnochowsky

4          d´-3                  Katharina                    1.880 kg          1987                Perner

3          c´-5                   Augustinus                  1.950 kg          1950                Czudnochowsky

2          B°-1                  Richard                       3.540 kg          1987                Perner

1          G°-4                 Dreifaltigkeit               5.130 kg          1987                Perner

 

 

Hochfeste: Weihnachten, Erscheinung des Herrn, Fronleichnam, Kirchweihfest, Christkönig, Firmung                                            b + g + f + d + c + B + G / VAM – G

Ostern, Pfingsten, Mariä Himmelfahrt             b + g + f + es + c + B + G / VAM – G

 

Örtliche Anlässe                                        b + g + es + c / So + B / VAM – B

Mechtildisfest / Erstkommunion          b + g + es + c + B + G

 

Jahreskreis

Sonntage                                         b + g + f + d + B / VAM – B

Werktage                                         b + g + f

 

Adventszeit

Sonntage                                         b + f + es + B / VAM – B

Werktage                                         b + f

 

Weihnachtszeit

Sonn- und Feiertage                    b + g + f + d + c + B / VAM – c – B

Werktage                                         b + g + f + d

Jahresschluss                               G + B + c

 

Fastenzeit

Sonntage                                         g + f + d + c / VAM – c

Werktage                                         g + f

Aschermittwoch / Palmsonntag / Gründonnerstag

g + f + d + c + G

Osterzeit

            Sonn- und Feiertage                    b + g + f + es + c + B / VAM – B

            Werktage                                         b + g + f + es

 

Dreifaltigkeitssonntag                             f + d + B + G / VAM – G

 

Marien- / Heiligenfeste                             b + g + es + c / So + B / VAM – B

 

Allerheiligen / Allerseelen                       g + d + c + B + G / G + B + d

 

Taufe / Trauung                                         b + g + f + es + B / b + g + f + d

Trauergottesdienst                                   c + es + g